avis_expert

Postpartum: Wege zu neuem sexuellem Wohlbefinden – Ein umfassender Leitfaden

Die Zeit nach der Geburt, das sogenannte Postpartum, ist eine Phase tiefgreifender körperlicher und emotionaler Veränderungen. Für viele Frauen kann dies auch Auswirkungen auf die Sexualität haben. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil von Frauen – Schätzungen reichen von 40% bis über 70% – in den ersten Monaten nach der Geburt eine Veränderung des sexuellen Verlangens oder Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in ein erfülltes Sexualleben erleben. Diese Erfahrungen sind normal und weit verbreitet, aber oft tabuisiert. Dieser Artikel, verfasst von Dr. Lara Frei, Gynäkologin FMH, MD, beleuchtet die komplexen Ursachen dieser Herausforderungen und bietet fundierte Informationen zu medizinischen, verhaltensbezogenen und unterstützenden Ansätzen, um postpartum wieder Freude und Erfüllung in der Sexualität zu finden. Wir besprechen, wann es ratsam ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und welche Fachpersonen in der Schweiz Sie dabei unterstützen können.

Réponses rapides

Qu'est-ce que Post partum retrouver plaisir ?
Es beschreibt den Prozess, nach der Geburt wieder sexuelles Vergnügen und Wohlbefinden zu finden, oft unter Berücksichtigung körperlicher und psychischer Veränderungen.
Est-ce fréquent ?
Ja, sehr häufig. Studien zeigen, dass 40-70% der Frauen in den ersten Monaten nach der Geburt Veränderungen im sexuellen Empfinden erleben.
Quand faut-il consulter ?
Bei anhaltenden Schmerzen, starkem Libidoverlust, psychischer Belastung oder Beziehungsproblemen, die durch sexuelle Schwierigkeiten verstärkt werden, sollte eine Fachperson konsultiert werden.
Qui consulter en Suisse ?
Primär Gynäkologen/Gynäkologinnen, bei psychischen Themen Psychologen/Psychologinnen oder Sexualtherapeut·innen, und bei Beckenbodenproblemen Physiotherapeut·innen.

Die Reise zu neuem sexuellem Wohlbefinden nach der Geburt ist ein persönlicher und oft komplexer Prozess. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Herausforderungen, mit denen Frauen in dieser Zeit konfrontiert sind, weit verbreitet und normal sind, und keineswegs ein Grund zur Scham. Es gibt vielfältige und effektive Wege, um wieder Freude an der Intimität zu finden – sei es durch medizinische Unterstützung zur Linderung körperlicher Beschwerden, durch psychologische Begleitung zur Verarbeitung emotionaler Veränderungen oder durch die behutsame Nutzung von unterstützenden Produkten zur Steigerung des Komforts und der Exploration. Der entscheidende erste Schritt ist oft, das Thema offen anzusprechen und sich nicht zu scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Schweizer Gesundheitssystem bietet hierfür qualifizierte Fachpersonen und Unterstützung. Seien Sie geduldig und wohlwollend mit sich selbst auf diesem Weg.

Dr. Lara Frei, Gynécologue FMH, MD (Universitätsspital Genf, Genève)

Questions fréquentes

Wie lange dauert es normalerweise, bis man nach der Geburt wieder sexuelles Verlangen verspürt?

Die Dauer ist sehr individuell. Einige Frauen spüren nach einigen Wochen wieder Lust, während es bei anderen Monate oder sogar länger dauern kann. Hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, Stillen und psychische Belastungen spielen eine grosse Rolle. Es gibt keine feste Zeitspanne, die als 'normal' gilt. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören und sich nicht unter Druck zu setzen. Bei anhaltender Belastung ist eine Konsultation ratsam.

Sind Schmerzen beim ersten Geschlechtsverkehr nach der Geburt normal?

Leichte Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl beim ersten Geschlechtsverkehr nach der Geburt können vorkommen, besonders wenn Geburtsverletzungen vorlagen oder die Scheide aufgrund hormoneller Veränderungen trocken ist. Anhaltende, starke oder wiederkehrende Schmerzen sind jedoch nicht normal und sollten unbedingt von einem Gynäkologen/einer Gynäkologin abgeklärt werden. Es gibt effektive Behandlungen für Dyspareunie.

Kann Stillen die Libido beeinflussen?

Ja, Stillen kann die Libido beeinflussen. Während des Stillens sind die Prolaktinspiegel hoch und die Östrogenspiegel niedrig, was zu Scheidentrockenheit und einem verminderten sexuellen Verlangen führen kann. Dies ist eine natürliche physiologische Reaktion. Viele Frauen erleben, dass sich die Libido nach dem Abstillen oder mit der Reduzierung des Stillens wieder normalisiert. Gleitmittel können bei Trockenheit helfen.

Was kann ich tun, wenn ich mich in meinem Körper nach der Geburt nicht mehr attraktiv fühle?

Ein verändertes Körperbild ist eine häufige Herausforderung. Sprechen Sie offen darüber mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin und suchen Sie bei Bedarf psychologische Unterstützung. Konzentrieren Sie sich auf Selbstfürsorge, leichte Bewegung und Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten. Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen, kann ebenfalls helfen. Es ist ein Prozess, das neue Körpergefühl zu akzeptieren und schätzen zu lernen.

Wird eine sexologische Therapie von der Krankenkasse in der Schweiz übernommen?

Die Kostenübernahme für sexologische Therapien in der Schweiz hängt von der jeweiligen Situation ab. Wenn die sexologischen Probleme als Teil einer diagnostizierten psychischen Erkrankung (z.B. Depression) behandelt werden und die Therapie von einem/einer anerkannten Psychotherapeuten/Psychotherapeutin mit ärztlicher Überweisung durchgeführt wird, können die Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (LAMal) übernommen werden. Eine reine Paar- oder Sexualberatung ohne medizinische Indikation wird in der Regel nicht erstattet.